Startseite
Gästebuch
Forum
Alte Süderelbebrücke

Alte Süderelbebrücke002Alte Harburger Elbbrücke.

Diese Portalbrücke von 1897-99 ist die letzte ihrer Art in Hamburg. Die filigrane Eisenfachwerkkonstrunktion von der Maschinenbau AG Nürnberg (MAN) trägt die erste feste Straßenverbindung über die Süderelbe.
Bei umfangreichen Sanierungen 1980-95 entfielen seitlich auskragende Fusswege.
Die Seitenportale, einst von Reichsadlern gekrönt, wurden von Hubert Stier entworfen. Mit Wappen Hamburgs und Wilhelmburgs erinnern sie an alte Stadttore.

Der Erste Brückenschlag über die ElbeAlte Süderelbebrücke004

Jahrhundertelang bestand die einzige Verbindung zwischen Harburg und Hamburg im Fährverkehr und in harten Wintern durch eine tragfähige Eisdecke. Da erschien der Brückenschlag, den die Franzosen während ihrer Besatzungszeit wagten, als ein ausserordentlich kühnes Projekt. Im Jahr 1813 bauten sie eine Brücke als militärische Anlage auf Holzpfählen. Perfekt war diese Elbquerung allerdings nicht, denn die Fahrrinnen der beiden Ströme konnten nur durch eigens dafür konstruierte Fähren durchschifft werden.

Diese Anlage begann in Harburg an der Zitadelle und führte über die Wilhelmsburger Chaussee auf den Grasbrook zu. Nur 83 Tage brauchten die Franzosen zum Bau dieser Brücke, die aber entsprechend der Kürze der Zeit offenbar auch recht flüchtig konstruiert war. Das die Anlage nach dem Abzug der französischen Armee nicht gepflegt wurde hing sicher auch damit zusammen, dass man sie damals als unerwünschte Konkurrenz zur traditionellen Schiffahrt verstand und daher nicht akzeptierte. Wegen Baufälligkeit musste die Brücke bereits im Jahr 1817 wieder abgebrochen werden.

Auch weiterhin wollte Harburg mit Hamburg nur durch das überkommene Fährverkehrswesen verbunden sein. Es dauerte lange, bis man sich mit neuen Verkehrsverbindungen anzufreunden begann. Schliesslich wurde die Eisenbahn zum Vorreiter neuer Ideen: Schon 1847 bestand eine Verbindung nach Hannover, die aber zunächst nur zum Hafen geführt wurde.

Man wollte den Hafen und die Schienenstrecke auf hannöverschem Gebiet verbinden, Hamburg aber nicht anschliessen, weil das eine gefährliche Konkurrenz für das örtliche Fuhrwesen nach sich gezogen hätte. Aber die Zeitläufe liessen sich nicht aufhalten: Im Jahr 1872 rollten schliesslich Eisenbahnzüge über die neue Elbbrücke von und nach Hamburg. Damit wurde die Hansestadt endlich an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen, was auch für den Hafen grosse Bedeutung hatte. Um die neuen Transportaufgaben zu bewältigen, entstand in Wilhelmsburg ein zentraler Güterverschiebe-Bahnhof. Der Eisenbahnbrücke war auch eine Fussgängerspur angeschlossen, doch Platz für Fuhrwerke hatte man nicht vorgesehen. So blieb der Fuhrverkehr auch weiterhin auf die Fähren angewiesen.

Beim Bombardement auf Hamburg während des Zweiten Weltkriegs blieben die Brücken über der Süderelbe unbeschädigt, obwohl in deren näherer Umgebung zahlreiche Bomben einschlugen.

Die Errichtung der Eisenbahnverbindung über die Elbe war kein Thema, das die Gemüter in Harburg erhitzte. Sie galt als notwendige verkehrspolitische Massnahme und stand auch den lokalen Interessen nicht im Weg, da sie für den Harburger Fährverkehr zu keiner entscheidenden Konkurrenz wurde. Heftig umstritten war dagegen der geplante Bau einer Strassenbrücke.

Der zweite Brückenschlag

Die zweite, für den Fuhrverkehr vorgesehene Elbbrücke liess noch lange auf sich warten. Die Harburger Handelskammer nahm sich dieses Projekts engagiert an und konnte schliesslich erwirken, das das Preußische Abgeordnetenhaus die notwendigen Mittel in Höhe von 5,11 Millionen Mark bereitstellte. Den Auftrag erhielt die Maschinenbau-Aktiengesellschaft Nürnberg (MAN), die 1897 mit den Bauarbeiten begann. Als Streckenführung wählte man eine Parallele westlich der schon bestehenden Eisenbahnbrücke. Am 30. September 1899 wurde die zweite Elbbrücke für den Verkehr freigegeben. Nun erhoffte man sich eine wachsende Anzahl von Industrieansiedlungen beiderseits des Stroms. Harburg erwartete nämlich durchaus, auf einigen Gebieten mit Hamburg konkurrieren zu können, zumal auch für weitere Verbesserungen im Verkehrswesen gesorgt wurde. Dazu zählten die Erweiterung der Hafenanlagen, die Vertiefung des Fahrwassers der Elbe, der Ausbau des Harburger Bahnhofs und die Anlage einer Hafenbahn.

Auch architektonisch brachte die neue Brücke Harburgs Selbstbewusstsein zum Ausdruck: Die vier mächtigen Doppelbögen ruhen auf Sandsteinfundamenten. an beiden Enden wurden Sandsteinportale errichtet, die sich nur durch die farbig gefassten Wappen unterschieden. Auf der hiesigen Seite ist das Harburger, auf der jenseitigen das Wilhelmsburger Wappen zu sehen. Auf den Dächern über den Wappenfeldern stand jeweils ein eiserner Adler. Der bekrönte Kopf einer dieser Adler wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gerettet und befindet sich heute im Helms-Museum. Am 24. Februar 1902 nahm in Harburg die elektrische Strassenbahn ihren Betrieb auf. Eine Linie führte auch über die Brücke bis nach Wilhelmsburg.

Da das Verkehrsaufkommen vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stark zunahm, entstanden parallel zur alten Harburger Elbbrücke weitere Brückenbauten: Die Brücke des 17. Juni, die Brücke der Wilhelmsburger Reichstrasse und - etwas weiter östlich - die Autobahnbrücke. Für die alte Harburger Brücke brachte dies mit der Entlastung auch einen Bedeutungsverlust. Ihr Bauzustand wurde so bedenklich, dass sie zeitweise für den Verkehr gesperrt werden musste. Aufgrund ihres Stellenwerts als historisches Baudenkmal erfuhr sie jedoch bis 1996 eine umfassende Restaurierung und dient seither ausschliesslich als Fussgängerbrücke.

Auch mehr als 100 Jahre nach seiner Errichtung erfüllt dieses eindrucksvolle Bauwerk, das nun als frühes Zeugnis des technischen Zeitalters gepflegt und erhalten wird, eine sinnvolle Verkehrsfunktion.

Bildergalerie: Alte Süderelbebrücke

zurück zur Übersicht

Diese Seite wurde zuletzt am 30.11.2008 aktualisiert

[Aktuelles] [Bauwerke] [Chronik] [Namen] [Orte+Pltze] [Stadtrundfahrt] [Stadtteile] [Sonstiges] [Impressum]